Ausstellung des Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem e.V.

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Ein Dorf im Wandel“ - 40 Jahre Niederbachem

Ausstellung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40jährigen Bestehen der Gemeinde Wachtberg.

Vom 3.8.2009 bis zum 27.8.2009 auf unbestimmte Zeit verlängert
während den Öffnungszeiten in den Schalterräumen der VR-Bank Bonn,
Zweigstelle Niederbachem, Konrad-Adenauer-Str. 50 in Niederbachem

Liste der Exponate

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung von Niederbachem anhand einer Gegenüberstellung alter und neuer Ortsansichten.
Gleichzeitig wird eine Collage über die Krautfabrik Zettelmeyer vorgestellt, mit der ein Gefühl für den Denkmalschutz geweckt werden soll.


       

Aus der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden Hans Thelen:

Auch Niederbachem ist älter geworden und hat sich weiterentwickelt. Dies wollen wir als Heimat- und Verschönerungsverein durch eine kleine Ausstellung darstellen.

Unser Dorf hat sich gewandelt. Deshalb lautet auch unser Buch, welches wir 1998 zur 1200-Jahrfeier herausgegeben haben, „ Niederbachem-Ein Dorf im Wandel“.

Unser Ort ist jetzt mindestens schon 1211 Jahre alt. Die Urkunde, in der Niederbachem erstmals erwähnt wird, ist abgedruckt im „Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins“, mit dem 19.Juli 798 datiert und befindet sich im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf. Ein Landmann aus Bacheim, namens Hirpingius, damals im Dienste Karls des Großen auf dem Weg nach Sachsen, hat in Minden – im Grenzgebiet zu Sachsen, einen Bacheimer Weingarten an Abt Liudgerus vom Kloster Werden verkauft. Freiwillig oder unfreiwillig sie dahingestellt.
Damals gab es zwischen Nieder- und Oberbachem noch keine Trennung. Diese kam erst 1301 als kirchenrechtliche Trennung.
Niederbachem war römisch, danach fränkisch geprägt. Im 18-Jahrhundert wurde Niederbachem von den Franzosen besetzt. Zu Beginn des 19 Jahrhunderts beherrschte Napoleon das linksrheinische Gebiet und machte auch die Niederbachemer Bürger zu Franzosen, sie gehörten zur Mairie Villip. Die Beschlagnahme klösterlichen und kirchlichen Grund und Bodens und der anschließende Verkauf der Güter an die Bürger führte zu einer mächtigen Vermögensumschichtung.
Nachdem die französische Herrschaft durch den Sturz Napoleons im Jahre 1815 zusammengebrochen war, übernahm Preußen die Herrschaft im Rheinland.
Die Niederbachemer waren nun Preußen und in erster Linie Tagelöhner, betrieben aber auch den arbeitsintensiven Weinbau, Obstanbau und die Hackfruchtwirtschaft. Gerade die Hackfruchtwirtschaft drückte dem Ort seinen Stempel auf. Es entstanden die Niederbachemer Krautfabriken. Hier begründete bereits Mitte des 19-Jahrhunderts die Familie Zettelmeyer eine lange Tradition.
Wie überall in Deutschland, setzte gegen und nach dem Ende des zweiten Weltkriegs eine Art Völkerwanderung ein. So wurde aus dem kleinen Ort im Drachenfelser-Ländchen, der gerade mal 450 Einwohner zählte und aus den Orteilen Urchem, Belzem(op de Kant), Bondorf, Alkersheim und Göllesheim bestand, ein Ort mit rd. 4000 Einwohnern.
1955 hat die Flurbereinigung einen großen Einschnitt gegeben. Ein neues Wegenetz war entstanden. Eine rege Bautätigkeit begann. Es kamen Flüchtlinge aus dem Osten, Beamte der Bonner Bundesbehörden, Botschaftsangehörige anderer Länder, Anfang der 60-er Jahre türkische Gastarbeiter, später Aussiedler aus Russland und Polen sowie Asylsuchende aus den von Kriegen betroffenen Ländern.

Unsere Vorstandsmitglieder Benedikt Auen, Uli Flöhl, Horst Hüllen und Dr. Heinz Schlesinger haben die bauliche Entwicklung des Ortes durch Bilder, wie war es vorher, wie sieht das heute aus, in dieser kleinen Ausstellung dargestellt. Es hat sich vieles verändert.

Weckung Ihres Interesses für den Denkmalschutz.

Jacob Zettelmeyer begann 1850 auf seinem Anwesen an der Ecke zwischen Austraße und Bondorfer Straße mit der Herstellung von Apfel- und Zuckerrübenkraut. Das Unternehmen ging 1878 auf seinen Sohn Peter Zettelmeyer als „älteste rheinische Apfel- und Zuckerrübenfabrik“ über. Peter Zettelmeyer ging als der „Deumann“ in die Niederbachemer Lokalgeschichte ein.
Es folgte die Gründung der Krautfabriken Eller, Schreiber, Beissel, Vouhsem, später Hüllen. Dies noch zur Geschichte des Ortes.

Warum nun Denkmalschutz.
Wohnhaus und Fabrikationsgebäude des Peter Zettelmeyer an der Ecke Austraße/Bondorfer Straße waren für Niederbachem unter historischen Gesichtspunkten ein Blickfang und eine Rarität, wenn auch zuletzt nicht mehr in gutem Zustand. Ein Aufschrei ging durch das Dorf, als vor ein paar Jahren das Objekt abgerissen und mit neuen Häusern bebaut wurde.
Dies war möglich, weil für das Objekt leider kein Denkmalschutz bestand.
Denkmalschutz besteht in Niederbachem z.B. für alte Grabkreuze, die Wegekreuze, wie das Auenkreuz, welches jetzt wieder instandgesetzt werden soll, für einige Fachwerkhäuser und die Ölmühle in Urchem.
Wir sind froh, dass der Fronhof Ecke Mehlemer Straße, ebenfalls ein Blickfang und ein historisch bedeutsames Bauwerk , die alte Mühle an der Mehlemer Straße (das Gelände Schmitz) und der Vouhsem-Hof unter Denkmalschutz stehen. Hier ist aber in allen Fällen großer Renovierungsbedarf erforderlich. Wir, als Heimatverein, setzen wir uns bei den Eigentümern und bei der Gemeinde dafür ein, dass diese Objekte auch als Denkmal erhalten bleiben.
Für den Denkmalschutz hat der Verein einen besonderen Arbeitskreis gebildet, der von Dr. Uhl geleitet wird.
Zum Schluss muss ich Ihnen den Begriff „Der Deumann“ erklären.
Peter Zettelmeyer muss wohl ein sehr erfindungsreicher unkonventioneller Mensch gewesen sein. Für seinen Betrieb, die Krautkocherei, hatte er eigens einen Dampfkessel und eine Hydraulik konstruiert und aufgestellt.
1898 wurde Zettelmeyer über die Region hinaus bekannt. Die Stadt Bonn hatte im Rahmen ihrer Modernisierung vor, das Kulturdenkmal „Altes Sterntor“ abzubrechen und anderweitig wieder aufzustellen. Es stand der damaligen Stadtplanung im Wege.
Als die Arbeiten begannen, stellten sich viele Schaulustige ein, auch Peter Zettelmeyer. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass das Abbrechen des Gemäuers eine mühevolle Arbeit war, man kam kaum voran. Da kam Peter Zettelmeyer auf die Idee, hierfür seine hydraulische Anlage einzusetzen. Dies schlug er der Stadt Bonn vor, die nach anfänglichen Belächeln sich doch auf den Gedanken einließ. Zettelmeyer transportierte seine Anlage zum Sterntor, richtete diese aus und ließ, um dem Ganzen den notwendigen Pfiff zugeben, von seiner zehnjährigen Tochter Anna, die hydraulische Anlage in Bewegung setzen. (das war die spätere Frau Stoff) Das Sterntor fiel, es wurde umgedrückt, im Dialekt. „umgedeut“. Danach hieß Zettelmeyer im Volksmund „Der Deumann“.

Unsere Vorstandsmitglieder Uli Flöhl, Dr. Karl Fuß, Dr. Heinz Schlesinger und Dr. Harald Uhl haben zu diesem Thema eine Kollage zusammengestellt, z. Teil mit Resten aus dem Gebälk des Deumannhauses, die wir Ihnen ebenfalls heute hier vorstellen.