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Aus dem Heimatbrief Nr. 94 vom November 1999

Überraschungen im Mehlemer Bach

Eine erfreuliche Zwischenbilanz ergab die Begehung eines Abschnittes des Mehlemer Baches in Niederbachem, die Vorstandsmitglieder des Heimat- und Verschönerungsvereins unter fachlicher Leitung von Dr. Rüdiger Bless vom Bundesamt für Naturschutz in Bad Godesberg in diesen Tagen durchführten. Die schon seit Jahren verbesserte Wasserqualität des erstmals 798 in der Gründungsurkunde von „Bachheim“ erwähnten „melanbaches“ hat jetzt auch zu einem meßbaren, erstaunlich starkem Fischbestand geführt. Was aufmerksame Naturbeobachter aus dem gelegentlichen Erscheinen eines Reihers oder von Eisvögeln am Mehlemer Bach vermuteten, hat sich durch diese Begehung bestätigt: Der Bach ist, jedenfalls in seinem Lauf durch Niederbachem, durchgehend von Fischen in erstaunlicher Menge und von verschiedenen Größen bevölkert.

Zwei Fischarten konnten einwandfrei festgestellt werden: Bachschmerlen und Bachforellen. Bachschmerlen wurden derart häufig gesichtet, dass für 300 Meter Bachlauf mehrere hundert Fische geschätzt wurden. Die Größen reichen von fingernagelgroßen, frisch geschlüpften Fischlein bis zu 8-10 cm, ausgewachsenen Exemplaren. Die unterschiedlichen Größen lassen es als gesichert erscheinen, dass die Schmerlen - eine eigenständige Fischgattung, die in der Roten Liste gefährdeter Tiere als gefährdet eingestuft werden - sich inzwischen dauerhaft im Mehlemer Bach angesiedelt haben und hier alle Entwicklungsstufen durchlaufen. Überraschend waren auch für den Experten die Menge und die Größenvielfalt der untersuchten Forellen - alle Fische wurden übrigens unbeschädigt sofort nach kurzer Untersuchung wieder dem Bachlauf anvertraut: Auch hier deuten die unterschiedlichen Größen auf eine ständige Besiedlung, doch müßten weitere Untersuchungen Aufschluß über Herkunft, Wanderungen und Reproduktionsverhalten geben. Eine im Oktober d. J. Erstmals nach 12 Jahren (!) durchgeführte Gewässerschau des Mehlemer Abschnitts des Baches durch die Untere Wasser- und Abfallwirtschaftsbehörde der Stadt Bonn hat den Bestand von Bachschmerlen und Forellen auch für diesen Bachabschnitt bestätigt. Nach dem Fischsterben von 1994, damals lt. Bericht des Generalanzeigers vom 23. Oktober d. J. Durch einen technischen Fehler bei einem Rückhaltebecken in Wachtberg verursacht, hat sich der Mehlemer Bach auf der ganzen Strecke von Wachtberg bis zur Mündung in den Rhein wieder gut erholt.

Eine Prüfung des Bachgrundes und der Uferböschung ergab Hinweise auf reichhaltiges Kleintiervorkommen, darunter Eintagsfliegen und Bachflohkrebse, so dass die Nahrungsgrundlagen für die Fischbevölkerung gegeben sind. Offenbar haben sich die Fische auch an die stark schwankenden Wassermengen des Mehlemer Bachs derart angepaßt, dass sie bei größeren Wassermengen nach Gewittern oder anhaltendem Regen nicht in den Rhein mitgerissen werden.

Für den Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem (HVN) bedeutet dieses Ergebnis eine Anerkennung des gewachsenen Natur- und Umweltbewußtseins der Behörden und der heimischen Bevölkerung, die durch Vermeidung von Abwassereinleitungen und von Müllablagerungen zur Verbesserung der Wasserqualität dieses kleinen, heimischen Nebenflusses des Rheins beigetragen hat. Zugleich apelliert der HVN an die Bevölkerung, weiterhin jede Abfallablagerungen in diesem jetzt auf dem Weg der Renaturierung befindlichen Gewässer zu vermeiden, die Uferböschungen und den Bachlauf zu schonen und auf diese Weise mitzuhelfen, dass ein wertvolles Stück heimische Natur weiter ursprüngliches Leben entwickeln kann,.

Dr. Harald Uhl

Bartgrundel oder Schmerle. Nemachilus barbatulus (L.).




Weitere Namen: Göse, Grundel, Güse, Mös, Schmerling, Schmurgel, Sneislin, Steingrundel, Zirte und andere Namen: Engl:: Stone Loach; franz. Loche franche.
Kennzeichen: Vorn gestreckter, rundlicher, hinten seitlich zusammengedrückter Körper. Enges, unterständiges Maul mit 6 Bartfäden (4 auf der Oberlippe, 2 in den Mundwinkeln). Stumpfer Stachel am Augenwinkel. Kleine Augen. Enge Kiemenspalte. Die sehr kleinen, kaum sichtbaren Schuppen sind in der schleimigen Haut verborgen. Von dem dunkelbraunen oder gelblichgrünen Rücken laufen dunkle, regelmäßige Flecken über die grauen oder gelblichen Flanken bis zum helleren Bauch. Die verhältnismäßig große, in der Mitte des Körpers stehende Rückenflosse, die kaum eingebuchtete Schwanzflosse und die kräftigen Brustflossen sind schwarz gesprenkelt. Die deutlich hervortretende Seitenlinie ist stellenweise unterbrochen. Möglichkeit der Darmatmung. Das hübsche Fischchen, ein typischer Bewohner kleiner Forellenbäche, ist wegen seiner heimlichen Lebensweise nur dem Sportfischer bekannt, der es - nicht mit der Angel - zu fangen versucht.
Verbreitung: In sauerstoffreichen Bächen, Wiesengräben, Rinnsalen und in der flachen Uferregion klarer Seen fast ganz Europas bis 2000 m ü. d. M. Auch in den Haffen der Ostsee und im finnischen Schärengebiet.
Größe: Durchschnittlich 12 bis 15 cm, ausnahmsweise bis 19 cm lang.

Viele Vertreter der Familie können bei ungenügendem Sauerstoffversorgung in stehendem Wasser zur Oberfläche schwimmen und Luft aufnehmen. Daraus wird im Darm Sauerstoff absorbiert, vor allem im hinteren Teil. Der Rest des Gases wird durch den After abgegeben. Einige Arten können auf diese Weise atmen (und haben Luftmengen in Ihrem Körper). Sie sind aber empfindlich gegenüber Veränderungen des Luftdrucks und werden sehr aktiv, wenn der Luftdruck vor einem Sturm rasch sinkt.
Die meisten Arten haben eine nächtliche Lebensweise und bleiben während des Tages unter Steinen, zwischen Pflanzen oder im Sand und Kies verborgen.
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Bachforelle. Salmo trutta forma fario (L.).




Weitere Namen: Fore, Ferchen, Fluß-, Berg-, Alpen-, Wald-, Gold-, Weiß-, Schwarz-, Steinforelle. Von Sportfischern häufig „Rotgetupfte“ genannt. Die Bezeichnung „Lachsforelle“ für Forellen mit rötlichem Fleisch ist irreführend (s. u. unter „Kennzeichen“). Engl. Brown Trout, franz.: Truite fario, Truite de riviere.
Kennzeichen: Langgestreckter, spindelförmiger, seitlich etwas zusammengedrückter Körper, der eher gedrungen als schlank wirkt und im Alter bei schweren Standforellen aus kleinen Bächen sogar plump sein kann. Das stumpfe, bis hinter die Augen gespaltenen Maul ist mit zahlreichen spitzen, leicht gekrümmten Zähnen bewehrt, die sich auch auf Gaumenbein, Zungenknochen und Vomer (Pflugscharbein) finden. Alte Milchner oft mit aufwärts gebogenem Unterkiefer (Laichhaken). Große, bernsteinfarbige Augen. Zwischen Rücken- und Schwanzflosse kleinen olivfarbene, am oberen Rand oft rot gefärbte Fettflosse ohne Flossenstrahlen, das typische Merkmal der Salmoniden. Schwanzflosse in der Jugend tief eingeschnitten, im Alter fast gerade. Färbung je nach Standort stark wechselnd. Rücken dunkelolivgrün oder dunkelbräunlich, Flanken silberhell oder goldgelb, manchmal auch dunkel bis schwärzlich, mit unregelmäßig verteilten schwarzen oder roten Tupfen; die letzteren, „Augen“ genannt, meist von einem hellblauen oder weißlichen Rand umsäumt. Jungfische im ersten Lebensjahr (ohne rote Tupfen!) tragen 6-9 dunkle Querbinden. Die zarten, bei kleinen Stücken kaum wahrnehmbaren, dachziegelförmigen Schuppen bedecken den ganzen Körper mit Ausnahme des Kopfes. Die olivfarbene, schwarz punktierte Rückenflosse ist mit 12-15 Strahlen versehen. Die paarigen, nicht punktierten, ebenfalls strahligen Brust- und Bauchflossen sind schmutziggelb bis blaßrötlich, die Afterflosse ist gelblichrötlich. Es gibt Forellen mit weißem und mit rötlichem Fleisch; die rötliche Färbung ist wahrscheinlich auf einseitige Ernährung (Flohkrebse) zurückzuführen.
Verbreitung: Die Forelle hat sich während der Eiszeit von Norden nach Süden verbreitet und bewohnt heute sauerstoffreiche, kühlere Bäche, Flüsse und Seen in ganz Europa einschließlich Irland, Island und Kleinasien. Im Gebirge hält sie sich bis zur Grenze des ewigen Schnees. In Nordamerika, Afrika, Australien, Indien und Neuseeland teilweise mit gutem Erfolg eingebürgert.
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