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Aus dem Heimatbrief Nr. 96 vom November 2000

Eine musikalische Zeitreise durch St. Gereon


Der älteste nachweisbare Kirchenbau, den es in Niederbachem gab, wurde um das Jahr 1000 errichtet. Es war eine Bruchsteinkapelle mit den Maßen 4x4 Meter im Grundriß. Sie stand dort, wo sich heute die Seitenschiffe befinden.
In dieser Zeit wurde in den Kirchen Europas der gregorianische Gesang als Musikideal behandelt. Die einstimmige Wortvertonung ist oftmals schlicht doch gerade dadurch um so ausdrucksstärker.


Doch langsam begannen um das 10 Jh. die ersten Versuche mehrstimmiger Musik. Zunächst zweistimmig wurde bis ins 12. Jahrhundert hinein über eine bekannte Choralmelodie eine bewegte Oberstimme gelegt - das Organum entstand. Ebenso wie sich die Musik weiterentwickelte, so verändert sich auch die Architektur und mit ihr die Kirche in Niederbachem. Die Kapelle wurde langsam zu klein und man beschloß, sie zum Chorraum umzubauen. Daran wurde ein größeres Langschiff und ein, zu der Zeit freistehender Turm angebaut.


Zur Zeit der frühen Renaissance, also Ende 14. und Anfang 15. Jahrhundert entwickelte sich die Musik weiter. Noch immer an sehr viele Regeln und Verbote gebunden, begannen die Musiker der damaligen Zeit. zu denen z.B. Josquin Deprez gehört, mehrstimmige Motteten und Messen zu komponieren. Eine enge Verbindung zur Gregorianik läßt sich allerdings immer noch sehr gut wahrnehmen.
In Niederbachem wurde zu diesem Zeitpunkt eine Bronzeglocke gekauft. Sie ist die erste in der Chronik erwähnte Glocke, obgleich es andere Glocken vor ihr gegeben haben mag. Die Glocke, aus dem Jahre 1472 war reichhaltig verziert und mit einer Inschrift versehen, die lautete: „Sant Gereon heissen ich anno domini 1472".

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1681 mit dem Wiederaufbau der größtenteils zerstörten Kirche begonnen. Dabei wurde das Kirchenschiff verlängert und verbreitert und der neue Turm direkt an die Kirche angebaut. Der heutige Taufstein, die Seitenaltäre, die Kanzel sowie ein Altarbild und zwei Putten sind uns aus dieser Zeit erhalten. Nachdem die Kirche fertiggestellt war wurde folgendes Chronogramm über die Türe gemeißelt:


„Dem allerhöchsten heiligen Gott geweiht, stehe ich vom Verfall wieder auf: Willst Du? Dann kämpfe Satan! Gereon schützt uns mit dem Schwerte!“ Die Musik erlebte in dieser Zeit eine große Entwicklung: Viele Kompositionsregeln wurde durch “rebellische“ Musiker gebrochen und somit nach und nach der Reichtum der Harmonik und der Rhythmik stark erweitert. Die Zeit des Barock brach an.

Johann Sebastian Bach als bekanntester Vertreter sei hier genannt, der die neuen vielfältigen Möglichkeiten am umfassensten aufgezeigt hat.
1848, im Zeitalter der Romantik wurde St. Gereon auf ihre heutige Form und Größe erweitert und 1854 erhielt sie das Holzgewölbe und die Orgel.
Die Musik wurde in dieser Zeit immer ausladender und gefühlsbetonter. Die Chöre wurden immer größer und dadurch stimmgewaltiger und die Orgeln wurden mit immer mehr Raffinessen ausgestattet. Zu nennen sind hier Komponisten wie Anton Bruckner und Franz Schubert.


Im 20. Jahrhundert geht die musikalische Entwicklung immer schneller voran. Heutzutage kann man sehr viel experimentelle Musik auch im kirchlichen Rahmen erleben. Es gibt keine Regeln mehr, außer man schafft sich selber welche, wie z.B. Olivier Messiaen, der sich selbst eigene Tonleitern, sogenannte „Modi“ schuf, um mit diesen seine Musik zu machen. In St. Gereon fielen von den vorhandenen 4 Glocken 3 den beiden Weltkriegen zum Opfer. Übrig blieb die kleinste Glocke, die heutzutage als Stundenglocke zu hören ist. 1998 erhielt die Kirche dann nach zwei grundlegenden Renovierungen ihr heutiges Aussehen.
Zu erleben war diese Verbindung von Kirchenbaugeschichte und Musik in einem Konzert am 16.7.2000 in unserer Kirche, bei dem gezeigt werden sollte, wie die Musik in den verschiedenen Jahrhunderten geklungen haben könnte. Durchgeführt wurde dieses Konzert von dem Ensemble Sine Nomine, das sich aus acht jungen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern zusammensetzt, die sich der Pflege des Chorrepertoires aus der Renaissancezeit verschrieben haben und mit diesem Konzert einen Ausflug durch andere Epochen machen wollten.

Julia Oligmüller