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Aus dem Heimatbrief Nr. 97 vom Mai 2001

Karneval 2001


Wie jedes Jahr muß man sich ab November, nach Bekanntgabe des Mottos des Karnevalszuges, Gedanken machen, wie und in welcher Form man am Karnevalszug teilnehmen kann. Da unsere letzte Vorstandssitzung im November stattfand und die nächste erst im Januar sein sollte, machten wir (Familie Kutscher und Geschwister Flöhl) uns schon im Vorfeld Gedanken, da ja nicht erst Weiberfastnacht angefangen werden kann. Das Motto „Baachem is dat Hätz der Welt, wo et jedem Jecken jood jefällt“ ließ wieder genug Spielraum für die Wagengestaltung. Welche Themen hatten in diesem Jahr unsere Gemüter besonders erhitzt?? Nach vielem Hin- und Herüberlegen, stand unser Entschluß fest, uns über die Art und Weise der Ausweisung des Naturschutzgebietes im Bereich Dächelsberg, Austraße u. Ließemer Berg Gehör zu verschaffen. Wir planten, malten und verwarfen und überlegten weiter, bis der Wagen so aussah, wie er auf dem Karnevalszug zu „bewundern“ war.

Im Januar bei der Vorstandssitzung stand das Thema Karneval auf der Tagesordnung und man dachte darüber nach, ob eine Teilnahme Sinn mache oder nicht. Wenn ja, ob schon Ideen vorhanden wären. Da niemand so recht eine hatte, präsentierten wir unseren Vorschlag, den der Vorstand mit Wohlwollen annahm. Es sollte nicht zu seinem Schaden sein.

Da wir nun das O.K. vom Vorstand hatten, konnten wir endlich loslegen, denn die Zeit drängte.

Den Anhänger lieh uns Familie Thrun, ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle. Die Seiten des Anhängers verkleideten wir mit Brettern, die wir tapezierten und anschließend strichen. Während Herr Kutscher und mein Bruder die Bretter und das Podest am Hänger gut befestigten und für die Sicherheit mit Rückleuchten, die dankenswerterweise von Herrn Dieter Kistner gespendet worden sind, am Anhänger sorgten, malten und pinselten die Frauen (Frau Kutscher, Tochter Katharina und meine Wenigkeit), an dem von den Männern gebauten 1,20 m hohem Haus, und an dem Schriftzug. Als wir diese Arbeiten erledigt hatten, ging es an den Bau des Rasenmähermannes. Man nahm Pinocchio als Vorbild und baute eine Holzfigur. Den Kopf spendete Katharina. Keine Angst, es mußte niemand sein Leben lassen! Sie spendete ihn in Form eines Balles. Mit einem weißen Bettlacken und einer Seidenstrumpfhose bekam der Kopf eine schöne Gesichtsfarbe. Nachdem das grimmige Gesicht aufgemalt und der Kopf befestigt war, zogen wir den Mann mit Hose, Pullover und Kappe an. Mit einem aus Holz gebauten und orange bemalten Rasenmäher bewaffnet, konnte man ihn schon auf den Kunstrasen und an das weiß/rote Absperrband stellen, das sein Grundstück hinter dem Haus durchzog. Nun kam die Frage auf, woher bekommt man einen Polizisten?? Da Frau Kutscher im Bekanntenkreis einen Polizisten hat, wurde dieser gefragt, ob er uns nicht vielleicht eine Uniform leihen könne. Er stellte eine Mütze und ein Hemd zu Verfügung. Wir mußten also noch eine Holzpuppe bauen. Doch das wäre zu viel Zeitaufwand gewesen, und die Zeit war knapp. Dann der Einfall!! Ein Polizist als Standfigur. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?? In Mehlem an der Ampel steht so ein Polizist und da nicht die Polizei sondern eine Firma diese Figuren verleiht, wir aber nicht wußten welche, probierte man kurzerhand die neue Digitalkamera aus. Man fuhr nach Mehlem, um den Polizisten zu fotografieren. Zuhause wurde er dann über den Computer auf die entsprechende Größe vergrößert, ausgedruckt, in Styropor ausgesägt und bemalt. Nun fehlte nur noch das Schild, welches das Naturschutzgebiet ausweist. Das Schild machten wir auch aus Styropor. Den Boden des Naturschutzgebietes bestreuten wir mit Mulch, um den nun ungepflegten Garten zu verdeutlichen. Ein Reiher, ein vertrockneter Strauch und eine Schnecke fanden auch noch ihren Platz.

ENDLICH!! Das Werk war vollbracht.

Am Rosenmontag mußten wir im Laufe des Vormittags das Haus und alle Figuren befestigen, denn sonst hätte der Anhänger nicht in der Garage Platz gehabt und die Figuren wären womöglich eingeschneit. Na ja, ein paar Flöckchen haben sie ja auch abbekommen. Gegen 11 Uhr gab es noch einen kleinen Schneeschauer, aber dann schaute die Sonne durch die Wolken und das Wetter besserte sich. Von Familie Kutscher ging es dann mit Flora (Auto von Fam. Kutscher, selbstverständlich kostümiert mit dem HVN-Logo und Luftballons), die den Anhänger zog, langsam zur Aufstellung. Und man staunte nicht schlecht als aus diesem kleinen Auto ein Chinese (Herr Kutscher, der Fahrer), eine Vogelscheuche (mein Bruder), eine Kuh (Frau Kutscher), ein Drache (Katharina), ein Marienkäfer (Judith) und last but not least eine Wiese (ich) ausstiegen. Zu der Gruppe gesellten sich dann noch die anderen Mitläufer des Vereins, bestehend aus Frau Zgaga, mit ihrem Sohn Christoph und Moritz seinem Freund, als Fledermäuse und ihrem Kinderwagen, in dem sie die Kamelle transportierten, Frau Steinlein als Papagei, Frau Völkl als Blume, Herr Willeke als Demonstrant. Frau Schlesinger hatte sich nun doch noch kurzfristig entschlossen, auch als Gärtnerin teilzunehmen.

Als sich der Zug mit etwas Verspätung in Bewegung setzte schien die Sonne und die Straßen waren voll mit Kindern und Leuten die nach Kamelle riefen. Diesem Wunsch kamen wir gerne nach und warfen sparsam unsere Gummibärchen. Ein ganz besonderes Lob war es für uns, wenn sich die Zuschauer zustimmend am Staßenrand zu unserem Wagen äußerten. Was auch am Ende des Tages durch einen Karnevalsorden, stellvertretend an Herrn Willeke von Herrn Schröder (Vorsitzender des Karnevalsvereines) ausgehändigt, belohnt wurde. Dieser findet nun einen Ehrenplatz im Archiv.

Roswitha Flöhl