heimatkundlicher Dia-Vortrag    zum Bericht

Am Freitag den 22.März 2002 lädt der Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem ein zu einem Dia-Vortrag in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Wachtberg (Programm-Nr. 4202 WA):

„Naturkundliche Streifzüge im Siebengebirge“

von Dr. Bruno P. Kremer

um 19.30 Uhr im Dorfsaal / Henseler Hof
Niederbachem, Konrad-Adenauer-Str. 38


Herr Dr. Kremer, ausgezeichneter Kenner von Erdgeschichte und Natur unserer Heimat, ist uns durch mehrere Vorträge, die er für den HVN gehalten hat, wohl bekannt. Er schreibt und zu dem geplanten Thema:
Das Siebengebirge markiert den Übergang zwischen Mittel- und Niederrhein. Es gehört nicht nur wegen seiner Kegel und Kuppen zu den herausragenden Naturlandschaften des Rheinlandes, sondern bietet ein ungewöhnliches Spektrum an natürlichen Besonderheiten. Nicht umsonst ist es das größte Naturschutzgebiet in Nordrhein-Westfalen und einer der ältesten Naturparke der Bundesrepublik, der mehrfach mit dem Europadiplom ausgezeichnet wurde. Mit Hilfe von Lichbildern unternimmt der Vortrag eine Umschau in der einzigartigen Naturkunde des Siebengebirgsraumes, von seinen rund 400 Mio. Jahre alten Meeresfossilien über die vielfältigen vulkanischen Erscheinungsformen bis hin zu den Waldbeständen und Kulturlandschaften der Gegenwart.

Das Siebengebirge liegt an einer bemerkenswerten Position am Übergang vom Tiefland zum Mittelgebirge. Es überragt das umliegende Flächenniveau markant, von welcher Seite man es auch betrachtet. Im südlichen Winkel der Niederrheinischen Bucht hat es eine herausgehobene Lage. Eifel und Westerwald links und rechts des Rheines entsprechen sich geologisch und gehören zum devonischen Grundgebirge. Der ehemals verbindende Gesteinszug fehlt in der trichterförmigen 400 qkm großen Bucht. Er begann vor 30 Millionen Jahren im Tertiär in die Tiefe abzusinken. Dieser Prozeß hält noch an. Eine Trennfuge bildete sich, die sich allmählich weitet. Es entsteht sozusagen ein westeuropäischer Kontinent. Diese Trennbewegung ist eine großräumige Erscheinung, die von Norwegen bis Italien reicht. Der Rheingraben begann sich vor ca. 7. Mio Jahren einzutiefen. Heute sind wir in einer aktiveren Phase. Die Eifel hebt sich jährlich um 1 mm.

Das Grundgebirge besteht aus 400 Mio Jahre altem Devonschiefer, der durch Bewegungen verworfen ist. Die darin enthaltenen fossilen Ablagerungen sind wie in einem Erdgeschichtsbuch aufgezeichnet: Meerestiere zeigen das Leben in der Tiefsee, Landpflanzen und Farne das Leben im Wattenmeer. Dann folgt eine Schichtlücke von 220 Mio Jahren. Vor 25 Mio Jahren begannen wieder Ablagerungen. Die interessante Wirbeltierfauna aus Rott mit der ältesten Biene der Welt gehört in diese Zeit.

Als im Tertiär die Niederrheinische Bucht einzubrechen begann, stiegen die devonische Eifel und der Westerwald auf, und es quollen flüssige Gesteinsschmelzen an den Bruchstellen auf. Der Siebengebirgsvulkanismus begann vor 25 Millionen Jahren und erstreckte sich über 7 Millionen Jahre. In dieser Zeit entstanden auch der Godesberg, der Lyngsberg, der Rolandsbogen, der Dächelsberg, die Tomburg, die Landskrone an der unteren Ahr.

Auf einer Tafel auf dem Rodderberg ist das Siebengebirge „ohne Haut und Haare“ zu sehen. Die Eruptionsfolgen sind farblich gekennzeichnet: Zunächst wurde Trachtytuff ausgeschleudert, der sich als Decke über eine weite Fläche legte. Es gibt Reste bei der Apollinariskirche in Remagen. Er wurde in den Ofenkaulen bergmännisch abgebaut und für den Backofenbau verwendet. Die Kaulen sind heute Quartiere für Fledermäuse. Durch den Auswurf von mehreren qkm Material brach die Kruste ein und es entstand eine Caldera, wie man seit kurzem weiß. In Richtung Königswinter ist die westliche Flanke zu erkennen.

An den Randbereichen der nierenförmigen Caldera drangen in einer zweiten Phase Trachyte nach oben. In diese Zeit gehören der Lohrberg, die Perlenhardt, Teile des Ölbergs und der Drachenfels. In den Tachyt des Drachenfels eingeschlossen sind große Sanidinkristalle. Der Kölner Dom und das Bonner Münster sind u.a. mit diesem Stein gebaut. Die durch den Steinabbau einsturzbedrohte Drachenfelsburg löste im 19. Jahrhundert im Gefolge der Rheinromantik den Beginn der Unterschutzstellung des Siebengebirges aus.

In der dritten Ausbruchsphase wuchsen Latitkuppen auf, wie Wolkenburg, Hirschberg, Himmerich, Stenzelberg, der nach dem Abbau als Kletterfelsen benutzt wird. Sehr schön zu sehen die durch Abbau entstandene latitische Felswand der Wolkenburg. Die Zisterzienserabtei Heisterbach besteht zum großen Teil aus Latitgestein.

In der vierten Ausbruchsphase kamen die schweren Schmelzen hoch. Das dichteste Gestein, der Basalt, bildet den Petersberg, den Nonnenstromberg, den Großen Weilberg, den Gipfel des Großen Ölbergs, die Dollendorfer Hardt. Durch die Steingewinnung wurden schöne Basaltsäulen sichtbar, auch gebogene, durch Erdbeben im Ebenmaß gestörte, die radiale Basaltrosette an der Trasse der Petersbergbahn. Das basaltische Ausbruchsfeld strahlt nach Südosten in den Westerwald hin aus, parallel zum Rheintal mit vielen Ausbruchspunkten.

Das Siebengebirge ist nicht nur geologisch faszinierend. Es ist auch schützenswerte Natur- und Kulturlandschaft. Der Namen kommt von Siefen = schluchtartig eingetieftes Tal. Es wurde zum sechsten Mal mit dem Europadiplom ausgezeichnet. Es ist ein weitgehend geschlossenes Waldgebiet, das nach Osten durch Ackerland aufgelockert ist. Leitwald ist der Rotbuchenwald, der größte Rotbuchenbestand in Mitteleuropa. Im Raum Oberkassel gibt es Niederwälder, in denen Weinbergspfähle gewonnen wurden. Es gibt Mischwaldbestände verschiedener Altersstufen, Spuren der von den Heisterbacher Zisterziensermönchen angelegten Fischteiche, Rebfluren, eine seltene wärmeliebende Flora an der Drachenfelswand. Bemerkenswerte Bauwerke sind die Ruine Heisterbach, die Burgruinen, die Drachenburg, in der kürzlich eine Dokumentationsstelle für die Geschichte des Naturschutzes mit einer interessanten Ausstellung eingerichtet wurde. Es gibt eine Dokumentation der Montangeschichte des Siebengebirges über die Gewinnung von Kupfer, Zink, Zinn, Silber, Blei usw.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat eine große Landschafts- und Naturschutzfläche (Bergisches Land, Eifel, Siebengebirge). Es ist daran gedacht, sie nach der Erpeler Ley und in die Remagener Bucht hin auszudehnen.

Bericht Gertrud Steinlein