heimatkundlicher Dia-Vortrag    zum Bericht

Am Freitag den 14.März 2003 lädt der Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem ein zu einem Dia-Vortrag in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Wachtberg (Programm-Nr. 2202 WA – die dort angegebene Gebühr von 3,- Euro entfällt!):
Anschließend findet die ordentliche Mitgliederversammlung des HVN statt.

„Weltkulturerbe Mittelrheintal“

von Dr. Heino Rönneper vom Forum Mittelrheintal

um 19.30 Uhr im Dorfsaal / Henseler Hof
Niederbachem, Konrad-Adenauer-Str. 38


Das Mittelrheintal, der romantische Rhein zwischen Bingen und Koblenz, mit seinen Burgen, mittelalterlichen Städtchen und berühmten Weinlagen soll als unverwechselbare Kulturlandschaft erhalten und weiterentwickelt werden.
Der Zusammenklang von Natur und Kultur, vom Menschen über Jahrhunderte gestaltet, ist am Mittelrhein in einer Intensität und Dichte erhalten, wie sonst nirgends an den großen Flußlandschaften in Europa. Die enge des Tals hat moderne großflächige Industrie- und Gewerbeansiedlungen verhindert und damit eine Kulturlandschaft von eindrucksvoller Vielfalt mit natürlichem und kulturellem Reichtum erhalten. Gleichwohl ist das Rheintal keine abgeschiedene Region, sondern von alters her das Herzstück europäischer Verkehrsanbindungen vom Norden in den Süden. Auch prägt der Verkehr auf dem Fluss, den Schienen und den Straßen das Leben im Tal.
Neue Perspektiven zur Erhaltung und Weiterentwicklung dieser einzigartigen Kulturlandschaft in wirtschaftlicher und touristischer Hinsicht, auch unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, müssen eröffnet werden. Denn die Kulturlandschaft von heute ist nicht die von gestern. Die Ernennung des Mittelrheintals zum UNESCO-Welterbe im Juni 2002 eröffnet die einmalige Chance, diese Perspektiven im Nachdruck weiter voranzutreiben und zu verwirklichen.

Weltkulturerbe Mittelrheintal

In seinem Dia-Vortrag „Kulturerbe Mittelrheintal“ führte Dr. Rönneper in die Idee des schützenswerten Welterbes der UNESCO ein und erläuterte besonders, warum das Mittelrheintal unter Schutz gestellt wurde und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Schon bei der Gründung des Welterbe-Kommitees (World-Heritage-Commitee) der UNESCO 1972 wurde das Mittelrheintal als geschlossene schützenswerte Kulturlandschaft von Prof. Dr. Werner Bornheim ins Gespräch gebracht. Damals waren aber nur zwei Kategorien vorgesehen:

- „Kulturerbe“ - wie z.B. Kölner Dom, Speyerer Dom, Pyramiden, Louvre, Vatikan, Quedlinburg;
- „Naturerbe“ - wie z.B. Niagarafälle, Nationalparks in Afrika und den USA;
- „Kulturlandschaft“ wurde als eigenständige Kategorie 1992 eingeführt für Objekte, die durch Denkmal- und Naturschutz nicht ausreichend abgedeckt werden und die das Zusammenwirken von Mensch und Natur in herausragender Weise dokumentieren. Hierzu gehören Reliktlandschaften, von Menschen geschaffene Landschaften und fortbestehende Landschaften wie z.B. das Mittelrheintal. Die ersten UNESCO- Kulturlandschaften waren die Reisterrassen auf den Philippinen und die heiligen Haine der Ureinwohner auf Neuseeland. Die Schlösser und Gärten von Potsdam-Sanssouci sind eine deutsche Kulturlandschaft. Mittlerweile gibt es ca. 720 Objekte, die im Welterbe erfasst sind, davon 23 Kulturlandschaften.

In den 80er Jahren wurde der erste Versuch unternommen, das Mittelrheintal als Kulturerbe aufnehmen zu lassen. Mit der Wiedervereinigung wurde diese Initiative gestoppt, da die ehemalige DDR einen großen Nachholbedarf hatte (z.B. Potsdamer Schlösser, Quedlinburg, Berliner Museumsinsel). 1996 stellte das Land Rheinland-Pfalz erneut einen Antrag auf Aufnahme. Inzwischen war die neue Kategorie Kulturlandschaft eingeführt worden. 1997 wird das Forum Mittelrheintal für alle Gebietskörperschaften am Rhein zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz gegründet. 1998 wird ein Beauftragter für das UNESCO-Anerkennungsverfahren benannt. Die Bewerbungsunterlagen werden im Dezember 2000 abgegeben und im Juni 2002 wird das Mittelrheintal als „fortbestehende Kulturlandschaft“ von der Welterbekommission in Budapest anerkannt. Noch grade rechtzeitig, denn neue Bestimmungen verfügen, dass nach einem europäisches Land drei außereuropäische bedacht werden.

Beeindruckend sind die Ensembles Fluss, Stadt, Weinberg, Burg. Die kleinräumigen Weinterrassen bieten flurbereinigt den Winzern eine bessere Existenzgrundlage und werden so erhalten. Die bizarren Felsen mit den Burgen, die beeindruckenden Flussschleifen und -ufer, die romantischen, kulturreichen Städtchen locken Touristen und fördern den Fremdenverkehr. Auch Industriekörper wie Bahnlinien und Brücken vermitteln eine gewisse Romantik. Ein Problem ist allerdings der Lärm durch die Verkehrswege, der laut UNESCO über das hinausgeht, was zuträglich ist. Manche Bausünden werden beseitigt (Sprengung eines Mühlenturms in St. Goarshausen).

Das Forum Mittelrheintal will helfen, die kleinteiligen Grenzen der lokalen Initiativen zu überwinden und in gemeinsamen Zielen zu bündeln. So entstehen Projekte, die die Kulturlandschaft fortentwickeln, das Erbe schützen und nutzbar machen. Ein Ausgleich der Interessen ist nötig. Um die breite Zustimmung der Bevölkerung wird geworben. Wenn die UNESCO die Anerkennung ausspricht, vertraut sie darauf, dass die Bewohner die Einmaligkeit der Kulturlandschaft Rheintal für die gesamte Menschheit bewahren und erlebbar machen wollen. Diese Anerkennung schafft weltweite Aufmerksamkeit.

Gertrud Steinlein